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Weltreise mit dem Fahrrad: 7 Fragen an die (Digitale) Radnomadin Dorothee Fleck

Weltreise mit dem Fahrrad

Zweimal ist Dorothee Fleck bereits mit dem Fahrrad um die Welt gefahren und die nächste Tour durch Afrika ist bereits in Planung. Wie sich Dorothee ihre Radreisen finanziert, auf was es bei der Organisation ankommt und ob sie sich selbst überhaupt als Digitale Nomadin sieht, hat sie uns in einem Interview verraten.

Ein Jahr ist es mittlerweile her, als ich Dorothee bei der 2. DNX in Berlin eher zufällig kennen lernte. Dabei stellte sich heraus, dass wir, sofern wir nicht beide unterwegs sind, nur wenige Kilometer voneinander entfernt wohnen. Kein Wunder, dass weitere Treffen mit interessanten Gesprächen und spannenden Geschichten folgten und ein Interview bei I Am Digital längst überfällig war.

Du bist zweimal mit dem Fahrrad um die Welt gefahren. Was war damals der Grund für deinen Aufbruch?

Abenteuerlust, Midlifecrises, Flucht, Abwechslung, Frustration, Neugier? Wahrscheinlich von allem ein bisschen. Immerhin hatte ich bis dahin 17 Jahre in der gleichen Firma gearbeitet. Es war einfach nichts mehr prickelndes. Als Ausgleich habe ich längere Radtouren gemacht.

Einmal hatte ich eine Auszeit von einem halben Jahr, wo ich mit dem Fahrrad in Australien und Neuseeland unterwegs war. Im Herbst 2006 war ich mit dem Fahrrad sechs Wochen auf Madagaskar. Danach war mir klar: Das möchte ich in Zukunft machen – Radreisen und darüber schreiben. Es ist einfach ein ganz anderes Leben, eine ganz andere Welt.

Ich habe mir es noch ein Jahr überlegt bis ich schließlich kündigte. Im Februar 2008 ging es dann endlich los. Es wurde auch schon gemutmaßt, ich sei auf der Suche nach einem Mann. Das ist mit Sicherheit nicht der Fall gewesen. Kein Mann wäre es wert, solche Strapazen auf sich zu nehmen. 😉

Wie hast du dir deine bisherigen Weltreisen finanziert? Hast du von unterwegs aus gearbeitet oder warst du als reiner Nomade unterwegs?

Ich habe früher sehr gut verdient und hatte etwas Guthaben. Allerdings habe ich auch sehr wenig gebraucht. Mit dem Fahrrad und einem Zelt zu reisen ist sehr günstig. Insofern musste ich nicht des Geldes wegen arbeiten. Für ein Work and Travel Visum war ich damals schon zu alt. Das bedeutet, dass ich in den Länder, wo es lohnenswert war, nicht wirklich hätte arbeiten dürfen. .

Wenn ich länger als drei Tage an einem Ort verweilte, habe ich immer geschaut, dass ich mich einbringen kann, unter anderem für Kost und Logis. Da machte ich dann ganz andere wertvolle Erfahrungen und habe sehr viel gelernt. Zum Beispiel habe ich eine Woche lang buddhistische Mönche in Kambodscha unterrichtet. Das war ein unglaubliches Erlebnis.

Außerdem habe ich immer meinen Blog geschrieben. Es war damals aber noch nicht meine Intention, damit Geld zu verdienen.

Vor ungefähr einem Jahr hast du deinen Blog womenscyclingguide.com gegründet. Was ist das Ziel deines Blogs und an wen richtet er sich?

Eigentlich richtet er sich an alle Radfahrer oder Radreisende. Ich möchte aber vor allem Frauen ansprechen und deren Hemmungen und Ängste nehmen, sie motivieren und dazu zu ermuntern auch alleine auf Radreisen zu gehen.

Dafür biete ich all meine Erfahrungen und mein Wissen an, sei es im technisch-materiellen Bereich in Bezug auf die Ausrüstung, dem Coaching, um Ängste zu überwinden oder in Form von hilfreichen Informationen zu den verschiedenen Reisezielen.

Mich freut es natürlich, wenn auch Männer meine Webseite besuchen und ihre Erfahrungen dort tauschen. Laut Google Analytics sind sogar 54,16 Prozent meiner Webseiten-Besucher Männer.

Ende des Jahres – sofern ich es verraten darf – steht mit der Durchquerung Afrikas ein weiteres Radabenteuer bevor. Wirst du von unterwegs aus versuchen deinen Blog zu pflegen und bereitest du dich auf die anstehende Tour vor?

Das habe ich ja schon selbst verraten. Mitte Dezember soll es Richtung Afrika losgehen. Ich hoffe und denke, dass ich meinen Blog weiterhin schreiben werde. Allerdings müssen sich die Leser mehr gedulden, denn manchmal werde ich wahrscheinlich über längere Zeit keinen Internet-Anschluss haben.

Die Vorbereitung ist nicht einfach. Afrika ist mit Sicherheit kein Kontinent, auf dem man einfach so herumfahren sollte. Allerdings ändert sich die Situation ständig. Mal ist die Ebola-Epidemie vorbei, dann bricht sie wieder aus. Mal wird Boko Haram angegriffen, dann schlägt die Gruppierung selbst wieder zu …und wer weiß, was noch alles kommt.

Darum gilt auch hier: So wenig wie möglich und so viel wie nötig planen. Ich muss flexibel bleiben und kann immer nur vor Ort die nächste Etappe planen. Das wird auf jeden Fall noch sehr spannend.

Afrika ist so ein riesiger Kontinent, wo es noch weite, unentdeckte Gebiete gibt, in denen man ungestört Fahrrad fahren kann. Das vergessen die meisten Leute, die mich für verrückt halten, weil ich durch Afrika radele. Damit tun sie vielen afrikanischen Ländern, die auf den Tourismus angewiesen sind, unrecht.

Ich werde auf jeden Fall in den nächsten Tagen meinen Impfpass hervorholen und schauen, welche Impfungen von Nöten sind. Da ich sowieso fast täglich Sport treibe, brauche ich vorher nicht trainieren. Die Reise ist schließlich Training genug.

Diesen Sommer hatte ich in Deutschland immerhin die Möglichkeit, mich an die Hitze zu gewöhnen. Beim Start im Dezember wird es vorerst aber ziemlich kalt werden. Ab dem 14. September werde ich über die letzten 90 Vorbereitungstage unter dem Hashtag #bike2cape twittern und Beiträge auf Facebook veröffentlichen.

Du hast bereits zahlreiche Länder kennen gelernt. An welchem Ort würdest du dich am ehesten als Digitale Nomadin niederlassen, sofern du dein Fahrrad mal für eine Weile stehen lassen müsstest?

Ich hoffe, ich muss mein Fahrrad nie stehen lassen. Allerdings spielt es für mich eine immer größer werdende Rolle von Zeit zu Zeit etwas anderes zu machen, als eine Weltreise mit dem Fahrrad nach der anderen. Einfach mal andere Erfahrungen sammeln.

Der Ort, an dem ich längere Zeit verbringen würde, ist nicht an ein bestimmtes Land gebunden, eher an Personen, die mich umgeben und inspirieren und wo ich etwas lernen und mich einbringen kann. Das kann eigentlich überall sein. Um „digital“ zu sein, sollte natürlich Internet vorhanden sein. Warmes Klima und eine schöne Landschaft wären auch von Vorteil.

Wie und wo kann man dich am besten im Internet erreichen?

Man kann mich wie üblich über E-Mail erreichen. Mittlerweile kann man mich auch über die gängigen Social Media Kanäle erreichen, entweder bei über meine privaten Profile (Facebook, Twitter) oder Women’s Cycling Guide (Facebook, Twitter). Und natürlich über womenscyclingguide.com. Aber wie gesagt, es kann sein, dass man sich mit der Antwort gedulden muss.

Gibt es etwas, das du unbedingt noch loswerden willst?

Während des Interviews habe ich mich gefragt, was eigentlich ein Digitaler Radnomade ist? Wie unterscheidet er sich vom Digitalen Nomaden? Kann man als Radnomade auch „digital“ sein?

Das Leben, wie es die „Digitalen Nomaden“ führen, oder was ich davon mitbekomme, kann man als Radfahrer (ich wenigstens) nicht führen und ich möchte dies auch nicht. Ich denke, als digitaler Radnomade hat man andere Herausforderungen, andere Wünsche und Bedürfnisse.

Deswegen habe ich eine Facebook-Gruppe namens digital cycling nomads erstellt. Sie ist für alle Digitale Nomaden, die mit dem Fahrrad unterwegs sind. Oder auch zu Fuß. Hauptsache sie fliegen nicht mit dem Flugzeug von Destination zu Destination und jetten von CoWorking Space zu CoWorking Space, sondern legen lange Durststrecken ohne Internet und Steckdose zurück und halten ihr Business dennoch am Laufen. Die Gruppe ist zwar noch im Aufbau, aber Interessierte nehme ich gerne auf.

Dank dir vielmals für das erfrischende Interview mit Fernwehgarantie und ich freue mich schon auf weitere Gespräche beim nächsten Treffen mit dir.

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Daniel Schöberl

Daniel ist Co-Founder von I Am Digital und mittlerweile selbst als Digitaler Nomade unterwegs, wo er sich mit Dienstleistungen im Sportmarketing, seinen Blogs und weiteren Online-Projekten seine Brötchen verdient.