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Interview mit Jenny Meyer über ihren Start als Digitale Nomadin

Interview mit Jenny Meyer

Jenny Meyer ist erst seit wenigen Monaten Digitale Nomadin. Was Ihre Beweggründe waren, um ortsunabhängig zu arbeiten, mit welchen Herausforderungen sie anfangs zu kämpfen hatte, wie ihr Online Business aussieht und vieles mehr, hat sie uns in einem Interview verraten.

Der Hype um Digitale Nomaden in Deutschland ist größer denn je. Vielleicht sogar etwas zu groß, wie Jenny findet, schließlich können auch 9-to-5-Jobs glücklich und zufrieden machen. Sie hat den Schritt dennoch gewagt, um sich zu verwirklichen und ihre eigenen Ideen in die Tat umzusetzen.

Du bist noch gar nicht allzu lange Digitale Nomadin. Gleich mal die Frage vorab: Was war ausschlaggebend dafür, Digitale Nomadin zu werden?

Ich war schon länger unzufrieden in meinem Job als Angestellte und habe immer mal wieder mit dem Gedanken geliebäugelt, mich selbstständig zu machen. Ich hatte mir auch vor drei Jahren schonmal eine Auszeit genommen und mehrere Monate in Thailand in einem Tauchcenter gearbeitet.

Aber irgendwie hat mir immer so der richtige Plan B, ein alternativer Lebensentwurf, gefehlt. Und klar, ich bin natürlich auch ein Reisejunkie und reise seit über 11 Jahren regelmäßig mit dem Rucksack nach Asien. Und nach meinem letzten Trip im Herbst 2014 hat mich ein Bekannter auf das Thema Digitale Nomaden aufmerksam gemacht, mit dem Hinweis: Hey, das wäre doch voll was für dich. Und ja, recht hat er! Selbstständigkeit und Reisen, bzw. leben wo man möchte, miteinander zu verbinden, ist momentan der richtige Lebensentwurf für mich.

Wie hast du dich auf das Leben als Digitale Nomadin vorbereitet?

Auf das Leben als Digitale Nomadin eigentlich gar nicht so wirklich. Ich habe seit meiner Auszeit sowieso schon minimalistisch gelebt und musste eigentlich nur noch den letzten kläglichen Rest meiner Besitztümer verkaufen.

Wie man reist, schlank und leicht packt, günstige Flüge bekommt und sich wie wo um Visa kümmert, wusste ich ja auch schon. Und meinen Job zu kündigen und mein Leben komplett über den Haufen zu schmeißen, hatte ich ja auch schonmal hinter mir. Es blieb also eigentlich nur noch der schwierigste Teil übrig: die Selbstständigkeit.

Ich habe ein paar Blogs gelesen (die haben mir allerdings nicht wirklich so viel geholfen) und einiges an Büchern. Natürlich unter anderem auch die Klassiker „4-Stunden-Woche“ von Tim Ferris und “Kopf schlägt Kapital” von Günther Faltin.

Was mir allerdings am meisten geholfen hat, um zu erkennen, was möglich ist, was zu mir passt und um endlich systematisch eine Business-Idee zu erarbeiten, waren die Bücher und das Intensivseminar von Ehrenfried und Brigitte Conta-Gromberg. Aber auch die Möglichkeit in unterschiedlichen Foren und Communities direkt meine Fragen stellen zu können, hat mir bei der Vorbereitung viel geholfen.

Seit wann bist du unterwegs? Wo steckst du gerade und was sind deine nächsten Ziele?

So richtig unterwegs bin ich seit Anfang September, obwohl ich im Sommer schon einiges in Europa unterwegs war, allerdings immer mit Rückkehr nach Deutschland. Momentan bin ich auf Koh Lanta in Thailand und plane bis Ende Februar hier zu bleiben.

Ich tendiere ganz stark zur Multilokalität (wie Tim Chimoy das immer so schön beschreibt), also gar nicht permanent von A nach B nach C zu reisen, sondern eher monateweise an den Orten zu leben, an denen ich mich so richtig wohl fühle. Die nächste Station ist dann Bali, wo ich an einer Workation teilnehme.

Wie verdienst du dein Geld von unterwegs? Was ist dein Online Business?

Ehrlich gesagt verdiene ich momentan leider noch kein Geld, da ich mich immer noch im Business-Aufbau befinde. Ich biete ein Online Mentoring-Programm mit Videokursen für Berufseinsteiger in der Unternehmensberatung an. Der Fokus liegt hier auf Softskills und den Fähigkeiten, die man im Umgang mit dem Kunden braucht, um ‘gut’ beraten zu können. Und die Erstellung des Inhalts dauert leider doch deutlich länger wie zunächst angenommen.

Ich habe aber noch ganz viele andere Business-Ideen, für die mir momentan allerdings die Zeit fehlt. Am liebsten möchte ich mich vor allem sozial und ökologisch engagieren und mich Richtung Social Entrepreneur entwickeln. Auch hier sind die Ideen schon da, es mangelt leider momentan noch an der Zeit diese umzusetzen.

Jenny Meyer

Auf welche Tools kannst du nicht verzichten, um ortsunabhängig zu arbeiten?

Ganz klar mein MacBook, iPad und iPhone sowie unterschiedliche Cloud-Dienste, damit ich von allen Devices auf meine Inhalte zugreifen kann. Und natürlich eine schnelle und stabile Internetverbindung. Skype, Facebook und Whatsapp-Telefonie um zu kommunizieren.

Ich könnte außerdem, glaube ich, auch nicht mehr ohne Evernote und Todoist leben. Aber das wäre wohl auch so, wenn ich nicht ortsunabhängig arbeiten würde. Ach, und ganz wichtig, fast schon lebensnotwendig: meine Geräusch-abschirmenden Kopfhörer!

Was war die größte Herausforderung vor dem Start als Digitale Nomadin? Freunde und Bekannte von deinem Vorhaben zu überzeugen, die lästige Bürokratie oder ganz etwas anderes?

Die lästige Bürokratie hat schon genervt. Versicherungen, Gewerbeanmeldung, Steuerberater und all das Zeug haben mich durchaus beschäftigt und mir hin und wieder die Laune verdorben. Meine Freunde haben mein Vorhaben sehr begrüßt und verstanden. Die kennen mich halt.

Die Familie war eine etwas größere Herausforderung. Vor allem deutlich zu machen, dass ich nicht als so genannter ‘Lebenskünstler’ durch die Welt tingeln will, sondern ernsthaft vorhabe, ein richtiges Business aufzubauen und auf seriöse Art und Weise Geld zu verdienen.

Aber die größte Herausforderung war die Auseinandersetzung mit mir selbst: Ist es wirklich das, was ich will? Kann ich das schaffen? Warum will ich diese Art von Leben führen?

Welchen Tipp kannst du Personen geben, die ebenfalls Digitale Nomaden werden wollen?

Tut es einfach! Und bleibt dabei vor allem auf eurem Weg! Es kann hilfreich sein, sich von erfolgreichen Digitalen Nomaden inspirieren zu lassen, aber versucht nicht anderen nachzueifern oder euch mit diesen zu vergleichen.

Der Weg zum Erfolg ist lang und sehr arbeitsintensiv. Sucht euch Gleichgesinnte und tauscht euch aus, am besten in einer Mastermindgruppe. Das hilft bei Zweifeln, motiviert und bringt dich immer wieder auf neue Ideen.
Reisen inspiriert die Kreativität, ist selbst aber ein Produktivitätskiller. Also nimm dir nicht zuviel vor und versuche genügend Zeit pro Ort einzuplanen, um zumindest einige Zeit in einen guten Arbeitsmodus zu kommen.

Wo findet man dich im Internet und gibt es abschließend noch etwas, was du noch loswerden möchtest?

Man findet mich unter meinem echten Namen in allen möglichen sozialen Netzwerken und Communities. Ansonsten findet man mein Business unter www.fit4consulting.de und meinen privaten Blog (mit privat meine ich im Moment nicht monetarisiert), auf dem ich unter anderem auch über meinen Weg in die Selbstständigkeit blogge, unter www.sunny-cloud.de.

Ja, ich würde gern noch zwei Dinge loswerden: Erstens, würde ich mich freuen, wenn das Thema Digitale Nomaden so langsam etwas “enthyped” wird. Es ist überhaupt nichts Verwerfliches an einem ortsgebundenen Leben in einem 9-to-5 Angestelltenjob, wenn man der Typ dafür ist und sich damit wohl fühlt. Digitale Nomaden sind nicht irgendwie besser oder cooler, sondern haben für sich einfach nur herausgefunden, dass sie einen anderen Lebensstil führen möchten.

Zweitens würde ich es begrüßen, wenn deutsche (Groß)Unternehmen sich dem Thema ‘remote working’ mehr öffnen würden und somit nicht jeder, der gern multilokal leben oder auf Reisen arbeiten möchte, sozusagen ‚in die Selbstständigkeit gezwungen wird’.

Dank dir vielmals für das spannende Interview und Grüße nach Thailand.

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Daniel Schöberl

Daniel ist Co-Founder von I Am Digital und mittlerweile selbst als Digitaler Nomade unterwegs, wo er sich mit Dienstleistungen im Sportmarketing, seinen Blogs und weiteren Online-Projekten seine Brötchen verdient.