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3. DNX in Berlin: Zwischen Schnappatmung und Glücklichsein

3. DNX in Berlin

Die DNX ist mittlerweile ein fester Bestandteil im Leben der Digitalen Nomaden in Deutschland geworden. So war es keine Überraschung, dass zum Main Event am Samstag mehr als 450 Personen ins Berliner Babylon pilgerten, um sich von den Speakern inspirieren zu lassen und wertvolle Tipps zum ortsunabhängigen Arbeiten zu erhaschen. Klar, dass auch wir nicht fehlen durften.

Anders als bei den beiden vorherigen Veranstaltungen startete die DNX dieses Jahr einen Tag früher. So stand am Donnerstagabend der Film „Pedal the World“ von Felix Starck auf dem Programm.

Auf Grund von Überschneidungen mit der re:publica in Berlin, fand das erste Event wie auch die Workshops am Freitag ohne uns statt. Zum Main Event waren wir dann aber beide vertreten, zumindest mental, denn während Julian von zu Hause aus unsere sozialen Netzwerke im Blick hatte, war ich direkt vor Ort und freute mich auf spannende Vorträge.

Das Main Event der 3. DNX in Berlin

Bereits in der Warteschlange war trotz der frühen Uhrzeit bereits sehr gute Stimmung unter den (angehenden) Digitalen Nomaden, die sich draußen zum Netzwerken und ersten Antasten für die Newbies versammelten, bevor es um 9 Uhr mit dem eigentlichen Programm losgehen sollte. Eigentlich deshalb, weil es ein paar Minuten Verzögerung gab, die allerdings gekonnt durch einen Orgelspieler im Kinosaal vom Babylon überbrückt wurden.

Das Hauptaugenmerk an diesem Tag lag natürlich auf den insgesamt zwölf Vorträgen und Diskussionsrunden, die ich im Folgenden kurz für alle Daheimgebliebenen oder Teilnehmer, die die Veranstaltung Revue passieren lassen möchten, zusammgefasst habe:

„Keynote von den DNX Gründern“ von Marcus Meurer & Felicia Hargarten

Ähnlich wie bei der letzten DNX im Oktober starteten Marcus und Felicia mit einem Video, das den Teilnehmern nicht nur den letzten Rest an Schlaf aus den Augen trieb, sondern auch eine ordentliche Portion Motivation in die Köpfe der Zuhörer spülte. Daher meine Empfehlung für dich: Zurücklehnen, Boxen aufdrehen und auf Play klicken.

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Nach dem Motivationsschub blickten Marcus und Feli, denen man beim Vortragen anmerkte, wieviel Herzblut sie in die DNX gesteckt haben, auf die Entwicklungen vergangener DNXler zurück. Dabei wurden einige Best Practices und Erfolgsgeschichten von Personen auf die Leinwand projiziert, die sich seit der letzten Veranstaltung zu einem Start ins Digitale Nomadentum entschieden haben.

Auch ich fand mich plötzlich auf der Leinwand mit einem Foto von mir und einer Verlinkung zu meinem Angsthasen-Beitrag wieder. Das freute mich natürlich sehr, zumal I Am Digital ein weiteres Mal positiv erwähnt wurde. Danke dafür!

„Sebastian unplugged: Jeder hat das Zeug zum Digitalen Nomaden!“ von Sebastian Canaves

Was das Digitale Nomadentum betrifft, so gehört der gebürtige Spanier Sebastian trotz seines jungen Alters zu den alten Hasen. Daher gab Sebastian nicht nur zum besten, wie es um seinen Blog TravelWorkLive steht und dass die Einnahmen aus diesem bereits beachtlich sind. Er erklärte auch, warum jeder das Zeug zum Digitalen Nomaden hat.

Um die Euphorie zu bremsen, machte Sebastian anhand seiner Key Learnings klar, dass das Leben als Digitaler Nomade kein Zuckerschlecken ist und die 4-Stunden-Woche ein Mythos ist. Wer Digitaler Nomade werden will, der müsse sich vor allem auf Schnappatmung, leere Konten und verzweifelte Momente einstellen. Ein klasse Vortrag, der sicherlich den ein oder anderen auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt hat.

„Trust yourself & Keep it simple: Eine Idee wird zur Weltmarke“ von Holger Hübner

Wacken ist ein winziges Dorf im Norden Deutschlands, das durch das Heavy Metal-Festival Wacken Open Air Weltruhm erlangt hat. Holger, einer der Gründer des Festivals, blickte auf die vergangenen 25 Jahre des beliebten Festivals zurück und wie es sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt hat, sowohl in der Außendarstellung als auch in der innerbetrieblichen Struktur.

Da ich ein begeisterter Festivalgänger bin, fand ich die Inhalte der lustig aufbereiteten Präsentation sehr interessant. Ich muss aber auch zugeben, dass mir etwas der Bezug zum Digitalen Nomadentum fehlte, auch wenn ich meinen Hut vor der Entwicklung von Wacken ziehe. Eine reife Leistung von Holger und seinem Team, die sich damit eine Weltmarke aufgebaut haben.

„Smarte Businessmodelle für Digitale Nomaden: Konkrete Steps & 5 Case Studies“ von Ehrenfried Gonta Gromberg

Wenn es um Solopreneurship geht, dann ist Ehrenfried einer der oder vielleicht sogar DER Experte in Deutschland. So hat er bei der 3. DNX an seinen Beitrag aus dem vergangenen Jahr angeknüpft und neben der Beschreibung der Produkttreppe einige weitere wichtige Tipps für all diejenigen gegeben, die in Zukunft als Solopreneure durchstarten wollen:

  • Eine Idee darf nicht zu normal sein!
  • Greift auf Suchanfragen bei Google zurück, um Geschäftsmodelle zu entwickeln!
  • Wagt bei der Produkttreppe den 10-Times-Sprung und bietet ab einer gewissen Stufe ein neues Produkt für das Zehnfache der bisherigen Preise an!
  • Sobald beim Rohgewinn eine 5 (also bei 5.000 Euro) steht, könnt ihr ruhig atmen!
  • Verliert YouTube nicht aus dem Blick, denn die Entwicklungen zeigen, dass hier in Zukunft eine Menge Geld vedient werden kann!

Wenn du dich näher für Solopreneure interessiert, dann findest du mehr Informationen darüber in Ehrenfrieds Buch „Solopreneur – Alleine schneller ans Ziel“ oder unter smartbusinessconcepts.de.

„From Zero to Hero: Geniale Social Media Strategien für mehr Traffic“ von Sabrina Iovino

Die Zugriffszahlen von ihrem Blog Just One Way Ticket hat Sabrina, die bereits seit sieben Jahren am Reisen ist, vor allem durch den Einsatz von Social Media gesteigert. In ihrem Vortrag erläuterte sie daher nicht nur die gängigen Plattformen, sondern stellte auch einige Tools vor, die einem dabei behilflich sind, mehr Traffic durch Facebook, Twitter & Co. für den eigenen Blog zu generieren.

Mir haben vor allem zwei Strategien imponiert. Erstens, dass Sabrina nach dem Veröffentlichen eines Beitrags schaut, für welche Facebook-Fanseiten die Inhalte ebenfalls relevant sein könnten und die Admins dann direkt mit einem Link im Gepäck anschreibt. Zweitens, dass sie pro Monat ungefähr 500 Bilder auf Pinteresst pinnt und dadurch sowohl eine Community aufbaut, als auch neue Leser für den Blog gewinnt. Gute Idee, auch wenn ich hier erwähnen sollte, dass ihr Blog englischsprachig ist, was die potenzielle Zielgruppe vor allem hinsichtlich Pinterest enorm erweitert.

„Reisen und arbeiten ohne Grenzen: Mit meiner Familie weltweit unterwegs“ von Thomas Alboth

Dass die Gründung einer Familie dem Leben als Digitaler Nomade nicht entgegen steht, beweist Thomas Alboth seit einigen Jahren gemeinsam mit seiner Frau eindrucksvoll in ihrem Blog Familie ohne Grenzen. Denn beide haben sich durch die Geburt ihrer Kinder Hanna (5 Jahre, 34 besuchte Länder) und Mila (4 Jahre, 20 besuchte Länder) nicht davon abhalten lassen, fremde Länder zu bereisen.

Ganz im Gegenteil, denn in seinem Vortrag plädierte Thomas sogar dazu, mit Kindern um die Welt zu ziehen, da sie eine Reise noch intensiver und besser machen. Für alle werdenden Mamas und Papas hatte er zudem noch einige Learnings parat, die er zu den Themen Elterngeld, Kreditkarten und Wohnung gemacht hat. Und dass ein Kinderwagen absolut überflüssig ist und diesem nur in Deutschland große Beachtung geschenkt wird, musste er ebenfalls unbedingt loswerden.

Ach ja, die nächste Reise der Familie ist bereits in Planung.

„Von null auf 6-stellige Umsätze in drei Jahren: All meine Learnings, Tipps und Tools!“ von Conni Biesalski

Eigentlich ist der obige Titel gar nicht mehr aktuell, denn Conni änderte diesen prompt in „Die unverblümte Story einer Digitalen Nomadin“. Sie ist eben nicht nur sympathisch und authentisch, sondern auch flexibel und spontan. Diese Spontaneität bekamen die Zuhörer auch zu spüren, als Conni die ganze Menge zum Yoga animierte und jeden einzelnen dazu zwang, beide Arme für eine Weile nach oben zu strecken, schließlich brauche man als Digitaler Nomade nicht nur Willenskraft, sondern auch Durchhaltevermögen.

Auf die einzelnen Zahlen ging sie wenig später dennoch ein und zeigte, dass sie durch ihren neu designten Blog Planet Backpack, den Verkauf ihres E-Books „Digital, unabhänig, frei“ und den Blog Camp-Onlinekurs ordentliche Einnahmen generiert, die jedoch nicht als repräsentativer Maßstab angesehen werden sollten. Vielmehr spielte Conni abschließend noch auf drei Gebote an, die sie als ausschlaggebend für ihren Erfolg sieht:

  1. Personal Branding
  2. Mach was, was niemand macht
  3. Ganzheitliches Lifestyle Design.

Dass Conni mit ihrer Session maßgeblich überzog, war halb so wild, denn Conni hört man einfach gerne zu, auch wenn die Vorträge auf Grund der Yoga-Übungen durchaus anstrengend sein können.

„Sulawesi, Indonesien: Hinter den Kulissen einer Crowdfunding Kampagne“ von Melissa Schumacher & Petra Hess

Musikalisch ging es anschließend zur Sache, denn Melissa und Petra von indojunkie.com starteten mit ihrem Crowdfunding-Song, den sie mit zwei Ukulelen begleiteten, in ihren Vortrag. Dieser handelte von ihrem Buch „Sulawesi – On The Road and Inside Indonesia“, welches die beiden mit Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne finanzierten.

Nachdem sie die wichtigsten Plattformen, wie zum Beispiel Kickstarter, vorgestellt hatten, gaben sie noch drei wichtige Tipps für alle mit auf den Weg, die ihr Projekt über die Fremdfinanzierung in die Wege leiten wollen:

  1. Ein sexy Look bzw. Auftreten ist wichtig
  2. Storytelling spielt eine wichtige Rolle beim Crowdfunding
  3. Keep it simple, sodass jeder versteht, um was es geht.

„Praxisbeispiele und Learning auf dem Weg zur unternehmerischen Freiheit“ von Christian Häfner

Christian ist einer der Gründer von FastBill, einer Buchungssoftware, die ich selbst auch nutze und die ein tristes Zahlenwirrwarr etwas bunter wirken lässt. In seinem Vortrag erzählte der begeisterte Surfer seine „Durchschnittsgeschichte“ und blickte auf die Entwicklung von FastBill zurück. Außerdem plädierte er dazu, mehr T-Shirts mit Aufdrucken des eigenen Business zu tragen und die kostenlose Werbeplattform zu nutzen.

Doch das war natürlich noch nicht der ganze Inhalt dieses äußerst kurzweiligen Vortrages. Christian versorgte die Menge noch mit fünf wichtigen Learnings, die er aus seinem bisherigen Leben als Unternehmer und Selbstständiger gezogen hat:

  1. Nicht warten!
  2. Team, Team, Team!
  3. Rede (frühzeitig) über deine Idee!
  4. Marketing kostet (fast) nichts!
  5. Auslagern, was nicht Kerngeschäft ist!

„No office needed: So rockst du dein Business als Freelancer von unterwegs!“ von Tim Chimoy

Wurden in den Beiträgen vorher primär Solo-, Blog- und Entrepreneurship durchleuchtet, so fokussierte sich Tim auf die Gruppe der Freelancer, schließlich arbeitet er ebenfalls als ein solcher. Dabei behandelte er ein Thema, was für die meisten Freelancer ein wahrer Graus ist, nämlich die Kaltakquise, wobei seine Erfahrung ist, dass man sich pro Monat drei bis vier Tage nehmen sollte, um Kundenakquise zu betreiben – wenn nötig auch per Telefon.

Dass man nicht immer zwingend im Online- oder IT-Bereich tätig sein muss, um ein Leben als Digitaler Nomade zu führen, machte Tim ebenfalls deutlich. Denn eigentlich ist Tim Architekt und führt diese Tätigkeit neben weiteren Projekten wie Earthcity und dem E-Book-Package „I Love Mondays“ sogar primär aus. Dabei geht es ihm nicht nur um Dienstleistungen, sondern primär auch um Productized Services, also Dienstleistungen, die in ein Produkt verwandelt werden, wie zum Beispiel dem Anbieten von CAD-Plänen im Bereich der Architektur.

„Success, Failure & Learnings: Erste Erfolge und vermeidbare Fehler“

Ziemlich stark fand ich die nächste Session. Während Jannis seine Erfahrungen mit seinem ersten Ebook darlegte, Nima von ihrer geplanten Tour mit ihrem Bus Horst erzählte und Robert von seiner Mutation vom Rohkost-Blogger zum Business-Berater berichtete, blickte der erst 19-jährige Niklas auf seine noch sehr junge Karriere in der Fotografie und Filmproduktion zurück. Und dann war da auch noch Sarah, die in ihrem Blog verwandert.de für Aufsehen sorgt, in welchem sie über die Touren mit ihrem Pony Egon schreibt.

Alle Geschichten haben gezeigt, dass es mit ein bisschen Mut und einer gehörigen Portion Eigeninitiative jeder schaffen kann, so zu leben wie er oder sie es gerne möchte, auch wenn alle Referenten noch am Anfang ihrer Digitalen Nomaden-Karriere stehen. Das Funkeln in den Augen und der Stolz über das bisher Erreichte haben gezeigt, dass alle fünf auf einem sehr guten Weg sind. Für mich einer der besten Vorträge, auch wenn die Aufnahmefähigkeit auf Grund der Informationsflut bereits stark gesunken war.

Offene Diskussionsrunde: Expertenrunde zum Thema „Digitale Nomaden“ mit Fragen aus dem Publikum

Wie gerade erwähnt, ließ die Aufnahmefähigkeit zu wünschen übrig. Daher hatte ich den Anschein, dass die Fragerunde zum Schluss nicht mehr allzu großen Anklang fand, denn scheinbar rauchte nicht nur mein Kopf.

Vielleicht ist das Panel einer der Teile, auf den man in Zukunft verzichten könnte. Denn mit den Fragen kann man sich auf Grund des Netzwerk-Gedankens der DNX auch direkt an die einzelnen Referenten wenden.

Die 3. DNX war wieder großartig

Neben einigen kleinen Schönheitsfehlern, wie zum Beispiel der angesprochenen Diskussionrunde, den etwas langweilig und nur einseitig bedruckten Name-Tags sowie einigen inhaltlichen Wiederholungen der Vorträge war die 3. DNX meiner Meinung nach wieder ein voller Erfolg. Es hat eine Menge Spaß gemacht und ich durfte wieder zahlreiche neue Eindrücke und Ideen mitnehmen, die ich am liebsten sofort in die Tat umgesetzt hätte.

Bemängelte ich im vergangenen Jahr noch die Party-Location, die wegen ihrer Enge nicht wirklich zum Netzwerken einlud, so war diese mit der Location „Neue Heimat“ diesmal perfekt dafür geeignet. Außerdem war sie mitverantwortlich für einen lockeren Ausklang einer (wieder einmal) großartigen Veranstaltung, bei der nun auch Julian mitwirkte.

Leider war die Zeit zu knapp, um mit allen Personen in Kontakt zu treten, mit denen ich es im Vorhinein geplant hatte. Aber da Marcus und Feli es verstanden haben, ein nachhaltiges Netzwerk im Rahmen der DNX zu schaffen, bin ich guter Dinge, dies bald nachholen zu dürfen.

Abschließend bleibt mir eigentlich nur noch DANKE für eine super Veranstaltung zu sagen. Jetzt gilt es die gesammelten Eindrücke zu verarbeiten und neue Ideen umzusetzen. An der fehlenden Motivation und Inspiration mangelt es definitiv nicht.

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Daniel Schöberl

Daniel ist Co-Founder von I Am Digital und mittlerweile selbst als Digitaler Nomade unterwegs, wo er sich mit Dienstleistungen im Sportmarketing, seinen Blogs und weiteren Online-Projekten seine Brötchen verdient.