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Alleine auf Reisen - I Am Digital
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Alleine auf Reisen

Alleine auf Reisen - Gastbeitrag von Annette Nenner

Gastbeitrag von Annette Nenner

Wer alleine auf Reisen geht, muss – ob er sich darüber bewusst ist oder nicht – etwas Mut mitbringen. Natürlich denkt jeder zuerst an diverse Gefahren wie Überfälle und Entführungen in fremden Ländern. Keine Frage, diese Gefahren bestehen. Doch was viel häufiger passiert, sind innere Veränderungen, und auch auf die muss man vorbereitet sein.

„Glück macht durch Höhe wett, was ihm an Länge fehlt.“ Diese Aussage des amerikanischen Dichters Robert Frost kann vermutlich jeder unterschreiben, der schon einmal alleine verreist ist.

Alleine auf Reisen – Prüfung für deine Gefühlswelt

Ganz egal, ob nur Tage oder sogar Monate, zum Arbeiten oder Urlaub machen oder beides gleichzeitig – das Alleinsein auf Reisen hält einen ständigen Wechsel an unterschiedlichsten Emotionen bereit.

Extreme Glücksmomente, hervorgerufen durch fremde, wunderschöne Orte können unglaublich schnell von ebenso extremen, aber negativen Gefühlen abgelöst werden, wenn einmal alles schief läuft.

In einer Stadt noch Teil einer geselligen Runde, fühlt sich jeder umso einsamer, wenn er im nächsten Ort keine Menschenseele antrifft. Die Gefühlswelt muss also einigem gewachsen sein.

Positiver vs. negative Einsamkeit

Da ist zum Beispiel ein Gefühl namens Einsamkeit. Klingt zuerst einmal weniger angenehm, doch ich habe auf meinen bisherigen Reisen gelernt, zwischen positiver und negativer Einsamkeit zu unterscheiden. Im negativen Sinne einsam fühle ich mich, wenn ich körperlich nicht fit bin und jemanden brauchen könnte, der einfach da ist.

Wenn ich mich inmitten einer Gruppe anderer Menschen wiederfinde, von denen aber keiner ganz auf meiner Wellenlänge ist. Dann verstehe ich plötzlich, warum die Menschen sich meistens mit anderen zusammentun und ärgere mich gleichzeitig über meine eigene Inkonsequenz.

Das Gefühl jedoch, ganz allein an einem wunderschönen, verlassenen Ort zu sein und zu spüren, dass der Moment perfekt ist, obwohl man ihn mit niemandem teilen kann, ist unbezahlbar. Auf sich selbst gestellt durch fremde Gegenden zu fahren, nicht zu wissen, wo der nächste Schlafplatz liegt und die totale Ungewissheit als Freiheit zu empfinden, das ist positive Einsamkeit.

Der Wunsch, sich der Welt für eine Weile zu entziehen, spielt hierbei wohl eine große Rolle.

Schneller Hemmschwellen überwinden

Tatsächlich ist es auf Solo-Reisen äußerst wichtig, mit sich selbst in guter Gesellschaft zu sein. Wer sich alleine langweilt und nichts mit sich anzufangen weiß, geht verloren. Doch zum Glück besteht die Möglichkeit, nicht alleine zu sein, fast immer.

Die Welt ist voller interessanter Leute. Wichtig ist nur, die Hemmschwelle zu überwinden, aus dem Nichts heraus Kontakt mit ihnen aufzunehmen. Tastet man sich zuhause an neue Bekanntschaften langsam heran und öffnet sich erst nach und nach, geht das in den Hostels und Bussen fremder Länder viel schneller.

Wie oft kommt man mit Leuten ins Gespräch, die man daheim meiden würde und findet dann problemlos Gemeinsamkeiten. Freundschaften entwickeln sich rasend schnell, da jeder weiß, dass die gemeinsame Zeit wahrscheinlich begrenzt ist und sich sowieso von jetzt auf gleich alles ändern kann.

Das Unbekannte kann so verführerisch sein

Vor allem in Ländern, in denen man sich auf Unterschiede zu Gewohntem einstellen muss, ändern sich Dinge wie Vorfreude, Spannung und Aufregung sehr schnell. Der Zauber der Reise bekommt leicht einen Knacks, wenn nichts läuft wie geplant.

In Wahrheit ist die Planung wohl der schlimmste Feind einer Individualreise. Du genießt wunderbare Orte, kulinarische Hochgenüsse, die Exotik eines neu entdeckten Teils der Welt und findest die „Mañana, mañana“-Einstellung der Einwohner ganz entzückend – bis du dich verirrst, weil du die Sprache nicht verstehst, einen ganzen Tag auf der Toilette verbringst, weil du deinen Magen überschätzt hast und eine halbe Nacht im Schnee stehst, weil der Busfahrer kurz vor der Fahrt bemerkt, dass der Bus einen Platten hat.

Aus neuen Situationen lernen

Das Ergebnis ist trotzdem fast durchweg ein gutes: Viele sehen nach der Erfahrung solch einer Reise ein, dass die meisten alltäglichen Probleme nichtig sind. Zuhause, wo du alles genau kennst, schleuderst du deine Gedanken gegen die nächste Wand und dann kommen sie zurück.

Ausgesetzt inmitten von Unbekanntem lernst du, den Verstand vielseitiger einzusetzen und erkennst, dass sich nicht alles um die eigene Person dreht.

Nach der Heimkehr…

Die Krux an der Sache ist die, dass Reisen auch den Gemütszustand verschlechtern können. Meistens tritt das ein, sobald die heimische Türschwelle übertreten wird. Nicht nur, dass neu gewonnene Erkenntnisse sich in Luft auflösen (in diesem Fall rate ich zu einer weiteren Reise), sondern so einiges kann sich zum Negativen verändern.

Wenn der Bekanntenkreis nicht weiß, wovon du sprichst, hörst du schnell auf, zu erzählen. Warum von etwas berichten, das bei den Zuhörern anders ankommt, als du es rüberbringen wolltest?

Wie kommst du selbst damit klar, was du gesehen hast? Nun weißt du, was alles möglich ist, was alles in der Welt falsch läuft, wie viel es gibt, was du nicht verstehst. Im Gegensatz zur Sicherheit des eigenen Zuhauses kann all das zur Verzweiflung führen.

Darum ergibt sich aus jeder Reise auch eine Art Verpflichtung: Nämlich die, das Erfahrene zu nutzen, um …
Und für was diese Pünktchen stehen, muss jeder für sich selbst herausfinden.

Bist du auch öfters alleine auf Reisen? Dann teile deine Erfahrungen doch unten in den Kommentaren.

Autoreninfo: Annette Nenner ist Autorin, Übersetzerin und seit mittlerweile einem Jahr als digitale Nomadin unterwegs. Ihre persönlichen Reisegeschichten findest du in ihrem Blog Wo ist Netti?.

Photo credit: Fré Sonneveld

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